BSW-Fraktion Brandenburg
PM: „Unser Ärztemangel wartet nicht bis 2040“
Potsdam, 17.09.2026 – Im Nachgang zur Landtagsdebatte über die Einführung einer Landarztquote und Maßnahmen gegen den akuten Hausärztemangel in Brandenburg erklärt der gesundheitspolitische Sprecher der BSW-Fraktion, Andreas Kutsche:
„Die Landarztquote ist ein richtiger Schritt, aber sie allein wird die medizinische Versorgung in Brandenburg nicht sichern. Das Kernproblem ist: Sie wirkt viel zu spät. Bis auf diesem Weg die ersten fertigen Fachärzte in den Praxen ankommen, schreiben wir fast das Jahr 2040. Doch unser Ärztemangel wartet nicht bis 2040.
Wenn heute mehr als ein Drittel unserer Hausärzte über 60 Jahre alt ist, droht uns in den kommenden zehn Jahren eine massive Versorgungslücke. Bis die Absolventen der neuen Universität in Cottbus soweit sind, dürfen uns vor Ort nicht reihenweise die Praxen wegbrechen. Wir brauchen deshalb neben der Ausbildung an der MUL-CT sofort wirksame Brückenmaßnahmen: von der verlässlichen Fortführung des Landärztestipendiums über eine echte Weiterbildungsoffensive bis hin zur spürbaren Entlastung der Praxen durch digitale Angebote. Entscheidend ist einzig, ob die Menschen in Jüterbog, Spremberg oder Guben auch in den nächsten Jahren noch einen Hausarzt finden.“
Hintergrund
Mit 1.436 Einwohnern pro Hausarzt belegt Brandenburg bundesweit den letzten Platz bei der ambulanten hausärztlichen Versorgung. Aktuell sind über 300 Versorgungsaufträge unbesetzt, 21 von 46 Planungsbereichen gelten als unterversorgt oder unmittelbar bedroht. Da rund 570 praktizierende Hausärzte 60 Jahre oder älter sind, steht das Land vor einer erheblichen Ruhestandswelle. Die zum Wintersemester 2026/27 startende Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem (MUL-CT) sowie die geplante Landarztquote können aufgrund der langen Studien- und Facharztweiterbildungszeiten erst ab Ende der 2030er Jahre erste fertige Fachärzte in die Versorgung bringen.