BSW-Fraktion Brandenburg
PM: „Psychische Gesundheit unserer Kinder und regionale Klinikversorgung dürfen keine Nebenschauplätze sein“
Potsdam, 03.09.2026 – Anlässlich der gestrigen Sitzung des Ausschusses für Gesundheit zu den psychischen Belastungen bei Kindern und Jugendlichen sowie zu drohenden Abteilungsschließungen an Brandenburger Krankenhäusern erklärt der gesundheitspolitische Sprecher der BSW-Fraktion im Brandenburger Landtag, Andreas Kutsche:
„Der fortschreitende Abbau von Versorgungsstrukturen und die zunehmende Zentralisierung sind der völlig falsche Weg. Ob bei der Schließung der Potsdamer Gefäßchirurgie oder der Hängepartie um die Kinder- und Jugendmedizin in Bernau: Hier werden über Jahre aufgebaute, vertrauensvolle Versorgungsstrukturen zerschlagen – zulasten chronisch Kranker, von Dialysepatienten, Schwangeren und Familien.
Dass das Ministerium den massiven Widerspruch in Bernau nicht auflösen kann, ist alarmierend: Einerseits sollen Geburtskliniken künftig nur noch gemeinsam mit der Kinder- und Jugendmedizin unter einem Dach betrieben werden, andererseits schließt man die Geburtshilfe und lässt die Zukunft der dortigen Kinderklinik im Ungewissen. Eine weitere Abteilungsschließung wäre ein harter Schlag für die wohnortnahe Versorgung in Brandenburg.“
Zur Debatte über die dramatische Zunahme seelischer Belastungen bei jungen Menschen betont Kutsche:
„Die Corona-Krise hat schonungslos offengelegt, wo wir Kinder und Jugendliche im Stich gelassen haben: Schulabschlüsse ohne Feiern, soziale Isolation und verlorene Perspektiven haben tiefe Spuren hinterlassen. Dass mittlerweile rund ein Viertel der jungen Menschen unter psychischen Problemen leidet, darf die Politik nicht länger tatenlos hinnehmen.
Frühe Hilfen verhindern, dass Leiden chronisch werden. Wir müssen den ambulanten Sektor jetzt spürbar stärken und niedrigschwellige Hilfen wie die stationsäquivalente Behandlung endlich flächendeckend ausbauen.“
Hintergrund
Klinikstandorte Potsdam und Bernau: Auf dringlichen Antrag der BSW-Fraktion vom 31. August 2026 beriet der Gesundheitsausschuss heute nach einstimmiger Annahme des Antrags über die Schließung der Gefäßchirurgie am Ernst-von-Bergmann-Klinikum in Potsdam. Zudem thematisierte der Ausschuss die zum 1. Oktober 2026 geplante Schließung der Gynäkologie und Geburtshilfe am Immanuel-Klinikum Bernau.
Nach Vorgaben des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt (MASGZ) sollen Klinikstandorte künftig Geburtshilfe und Kinder- und Jugendmedizin gebündelt anbieten. Am Standort Bernau prüft der freigemeinnützige Träger derzeit noch den Erhalt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin; das Ergebnis ist bislang offen.
Fachgespräch zu psychischen Erkrankungen:
Im Zentrum des Vormittags stand ein öffentliches Fachgespräch über psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen, insbesondere zu seelischen Beeinträchtigungen wie Autismus und ADHS. Der als Sachverständiger geladene Facharzt Dr. Illy wies dabei auf die gravierenden Spätfolgen der Corona-Pandemie hin („Meine Patienten haben die Pandemie nicht vergessen“). Erstmals seit der Pandemie steige der Anteil psychisch auffälliger junger Menschen wieder an. Nach Daten des Schulbarometers der Robert-Bosch-Stiftung berichtet rund ein Viertel der Kinder und Jugendlichen von psychischen Belastungen – in Brandenburg liegen die Werte teils über dem Bundesdurchschnitt.