BSW-Fraktion Brandenburg

PM: Krankenhäuser im Umbruch – BSW-Abgeordneter Kutsche im Gespräch mit Betriebsräten

Während der parlamentarischen Sommerpause bleibt die politische Arbeit nicht stehen. Andreas Kutsche, Landtagsabgeordneter der Fraktion Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW), arbeitsmarkt- und pflegepolitischer Sprecher seiner Fraktion, nutzt die sitzungsfreie Zeit für eine landesweite Gesprächsreihe mit Betriebsräten brandenburgischer Krankenhäuser. Ziel: Der direkte Austausch über die aktuelle Situation in den Kliniken. Stationen der bisherigen Gespräche waren unter anderem die Oberhavel Kliniken in Gransee, das Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam, das GLG Werner Forßmann Klinikum und das Martin Gropius Krankenhaus in Eberswalde, die Salus Klinik Lindow, das KMG Klinikum Nordbrandenburg in Wittstock sowie das Städtische Krankenhaus in Eisenhüttenstadt. Die unten weiter ausgeführten Themenbereiche waren in den Gesprächen besonders relevant. Kutsche bilanziert generell:

„Überall, wo ich hinkomme, ist die Lage ernst. In fast allen Häusern fehlt es an Personal – ob bei den Ärztinnen und Ärzten oder in der Pflege. Zugleich wünschen sich die Betriebsräte mehr politische Unterstützung. Die unbeliebte Krankenhausreform findet in ihrer alltäglichen Arbeit kaum statt, obwohl die Folgen vielerorts gravierend sind. Dafür trägt allein die Bundespolitik die Verantwortung, die Reformen beschließt, ohne deren reale Umsetzbarkeit vor Ort zu gewährleisten.“

Alltag im Krankenhaus: hohe Belastung – wenig Zeit für Mitbestimmung
„Die Betriebsratsarbeit steht vielfach auf wackeligen Beinen. Viele Beschäftigte würden sich gern engagieren, aber dafür fehlt ihnen schlicht die Zeit. Die Arbeitsverdichtung lässt kaum noch Raum für Mitbestimmung – und das in einem Sektor, der sich inmitten tiefgreifender Umbrüche befindet“, so Kutsche.

Gerade in kleineren Häusern ist es oft besonders schwierig, sich für die Mitbestimmung freizuschaufeln – obwohl Betriebsräte einen gesetzlichen Anspruch auf Freistellung haben. In größeren Kliniken ist die Situation meist besser: Dort gibt es größere Betriebsratsgremien, die über festgelegte Freistellungen verfügen. Diese ermöglichen eine strukturiertere und effektivere Betriebsratsarbeit. Zudem hat sich gezeigt, dass in Krankenhäusern mit Tarifverträgen die Personalsituation tendenziell besser ist. Tarifbindung sorgt für transparente, faire Arbeitsbedingungen und stärkt die Attraktivität des Berufs – insbesondere in Zeiten des Fachkräftemangels. Die Betriebsräte unterstreichen, dass sie bei der vorgesehenen Krankenhausstrukturreform eine wichtige Stimme sind. Ihre praktischen Erfahrungen aus dem Klinikalltag wären ein zentraler Baustein für eine wirklich praxisnahe und nachhaltige Reform.


Fachkräftesicherung und medizinische Ausbildung in Deutschland

„Die medizinische Ausbildung in Deutschland muss durchlässiger und zugänglicher werden. Ein Medizinstudium mit einem NC von 1,0 ist angesichts des wachsenden Bedarfs an Fachkräften schlicht realitätsfern. Es ist absolut richtig, dass wir in Brandenburg nun mehr Ärzte ausbilden. Die Arbeitsbedingungen müssen aber auch stimmen. Die hohe Anzahl von Beschäftigten mit Migrationshintergrund –  insbesondere in der Ärzteschaft – hält einerseits den Betrieb aufrecht. Aber andererseits zeigen sich vielerorts sprachliche und kulturelle Hürden, die insbesondere in der Pflege den Arbeitsalltag erschweren und auch zu Spannungen mit Patientinnen und Patienten führen. Das Integrationsmanagement in Kliniken muss dringend verbessert werden. Es ist für ein entwickeltes Industrieland wie Deutschland schlicht unwürdig, dass wir weniger entwickelten Ländern ihre Ärzte und Pfleger abwerben“, spricht Kutsche oft verdrängte Wahrheiten aus.



Im Krankenhaus in Gransee haben laut Betriebsrat rund 90 Prozent der Ärztinnen und Ärzte einen Migrationshintergrund.

Standort Wittstock: Krankenhausreform darf ländliche Regionen nicht abhängen
Besondere Brisanz hat die angekündigte Schließung des KMG-Klinikums in Wittstock zum 1. Januar 2027. Die Entscheidung, zentrale Abteilungen wie die Geriatrie, Kardiologie und Gastroenterologie in andere Städte zu verlagern, stößt vor Ort auf massiven Widerstand. Bevölkerung, Betriebsrat und Stadt weisen auf drohende Versorgungslücken hin – insbesondere für Notfälle und ältere Menschen. „Die Reform darf nicht bedeuten, dass ländliche Räume systematisch ausgedünnt werden“, warnt Kutsche. Er unterstützt daher ausdrücklich die Bemühungen von Gesundheitsministerin Britta Müller, den Standort zu erhalten. Müller kündigte an, den Klinikträger KMG in die Pflicht zu nehmen. „Das ist der richtige Weg,“ so Kutsche. „Es muss klare Bedingungen geben: Keine Umstrukturierung ohne tragfähige Alternativen und ohne garantierte Notfallversorgung vor Ort.“



BSW fordert: Versorgungskreise, Digitalisierung, Ausbildungsoffensive

In vielen Gesprächen mit Betriebsräten wurde zudem deutlich, was sich die Beschäftigten konkret wünschen: Mehr Unterstützung bei der Digitalisierung, funktionierende Versorgungskreise statt Klinikkonkurrenz, verbesserte Sprachförderung für ausländisches Personal – und endlich eine Ausbildungs- und Studienoffensive in den Gesundheitsberufen. „Wir brauchen keine weiteren vollmundigen Reformpläne aus dem Bundesgesundheitsministerium – wir brauchen handfeste Investitionen in Strukturen, Ausbildung und Personal. Und wir brauchen ein Gesundheitssystem, das sich an den Menschen orientiert – nicht an Kennzahlen“, so Kutsche abschließend.

 


Pressemitteilung von BSW-Fraktion Brandenburg, 08.08.2025
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