Warum hast du mit Politik angefangen bzw. warum interessierst du dich für Politik?
Im Wendeherbst 1989 war ich 15 Jahre alt und bis dahin politisch durch Schule und Elternhaus geprägt. In meiner Familie wurden die politischen Verhältnisse in der DDR immer kritisch und offen diskutiert (Westfernsehen war nicht tabu, nur in der Schule darüber reden durfte ich nicht). Diese private kritische Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Verhältnissen stand natürlich im Gegensatz zu den bis dato geführten politischen Diskussionen (oder besser Agitationen?) in der Schule, den Pionierorganisationen und der FDJ. Für mich war von Jugend an klar, dass man sich in die Entwicklung der gesellschaftlichen Verhältnisse einmischen muss. Auslösendes Moment, sich auch innerhalb von Parteistrukturen zu engagieren, war der Bundestagswahlkampf 1990, konkret ein Wahlkampfauftritt von Oskar Lafontaine in der Stadthalle Cottbus. Ich habe in der Folge seine Bücher „Das Lied vom Teilen“ und „Die Gesellschaft der Zukunft“ gelesen (als Gymnasiast konnte ich mir jedoch nur eine preisreduzierte Taschenbuchausgabe leisten) und mich mit dieser politischen Grundhaltung identifiziert und tue dies bis heute.
Was waren Deine Gründe dafür, dass Du beim BSW Mitglied werden und Dich hier engagieren wolltest?
Als Kind und Jugendlicher wuchs ich unter dem Eindruck des Wettrüstens zwischen den beiden politischen Blöcken und in der immer mitschwingenden Befürchtung, es könnte zu einer atomaren Auseinandersetzung kommen, auf. Mit dem Ende des Kalten Krieges schien diese Bedrohung gebannt und ich habe mich in der Folge immer vehement für den Frieden und für einen sozialen Ausgleich in der Gesellschaft engagiert. Die aktuelle Weltlage lässt die Befürchtungen meiner Kinder- und Jugendjahre wieder aufleben. Der Frieden ist immer stärker bedroht, die Ungleichverteilung von Einkommen und Vermögen nimmt zu, die wirtschaftliche Lage wird prekärer und die Zukunftsängste größer.
Viele Bürgerinnen und Bürger fühlen sich von den sogenannten etablierten Parteien nicht mehr vertreten. Das Bündnis Sahra Wagenknecht hat mich mit seiner Programmatik angesprochen. Ich stehe hinter dem Grundkonsens „Soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Vernunft“. Als einzige konsequente Friedenspartei ist das BSW meine politische Heimat.
Wofür möchtest du dich Du Dich im Landtag unter anderem einsetzen?
Als Kind der Lausitz liegt mir selbstverständlich das Gelingen des Strukturwandels in meiner Heimatregion am Herzen. Weitere Schwerpunkte meiner politischen Arbeit sehe ich im Bereich der Bildungspolitik und im Stärken der Rechte von Minderheiten.
Warum glaubst Du, ist es wichtig, dass jemand wie Du politische Arbeit macht und warum kannst Du das Leben anderer Menschen verstehen und verbessern?
Ich weiß, dass es wichtig ist, Lebens- und Berufserfahrung und ein hohes Maß an Empathie in politische Ämter und Funktionen einzubringen. Ich glaube, dies mit 50 Jahren Lebenserfahrung und mehr als 30 Jahren Arbeit in verschiedensten Behörden auf kommunaler Ebene und im Landesdienst Brandenburg mitzubringen. In meiner ehrenamtlichen Tätigkeit bin ich vielseitig aufgestellt und versuche, insbesondere die Sorgen und Wünsche der Menschen, denen ich in unterschiedlichen Kontexten begegne, in meiner täglichen Arbeit gerecht zu werden.
Wofür interessierst Du Dich neben der Politik und was macht dir Freude?
Freude und gleichzeitig Ausgleich finde ich in der Zeit, die ich mit meiner Familie, insbesondere meinen Kindern und Enkelkindern, verbringen kann. Großes Interesse gilt der Geschichte. In meiner Heimatstadt befasse ich mich im Schwerpunkt mit Stadt- und Regionalgeschichte und freue mich, wenn ich Zeit finde, im jährlich erscheinenden Heimatkalender auch etwas Kleines zum Thema Stadtgeschichte zu publizieren. Als passionierter Kleingärtner finde ich in der Gartenarbeit den körperlichen Ausgleich zum Arbeitsalltag.